Eng verknüpft und international aktiv – Vergewaltiger-Netzwerke im Visier der Polizei

Der Fall Pelicot und die Folgen: Erstmals führen Ermittler aus sieben Ländern eine gemeinsame Operation gegen Vergewaltiger-Netzwerke durch. Im Fokus: Fälle, in denen Opfer sexueller Gewalt unter Drogeneinfluss gesetzt wurden – oft innerhalb der eigenen Partnerschaft.

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Der Fall der Französin Gisèle Pelicot hat das Thema sexueller Übergriffe, bei denen die Opfer zuvor betäubt wurden, international in den Fokus gerückt. Ihr damaliger Mann hatte die Frau fast zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten wehrlos gemacht und Dutzenden Vergewaltigern ausgeliefert. Ein französisches Gericht in Avignon verurteilte den Täter im Dezember 2024 zur Höchststrafe von 20 Jahren Haft.

Nun haben Strafverfolgungsbehörden im Rahmen der weltweit ersten internationalen Ermittlungsoperation gegen solche Taten nach eigenen Angaben 156 Betroffene und Tatverdächtige identifiziert. Die Ergebnisse der Ermittlungen liegen WELT vor. Die europäische Polizeibehörde Europol wird dazu an diesem Donnerstag weitere Details veröffentlichen.

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Vergangene Woche trafen sich 29 Ermittler aus sieben Ländern im Rahmen von „Project Medusa“ bei der britischen National Crime Agency in London. Die Aktion unter der Leitung Deutschlands und des Vereinigten Königreichs richtete sich gegen sogenannte drogengestützte sexuelle Übergriffe („Drug-Facilitated Sexual Assaults“). Aus Deutschland beteiligten sich Ermittler des Bundeskriminalamtes und des Landeskriminalamts Hamburg.

Seit Beginn der Ermittlungen im April dieses Jahres nahmen Ermittler insgesamt 57 Festnahmen vor, informierten und schützten 158 Betroffene und leiteten 113 Ermittlungsverfahren ein. Im Mittelpunkt der Ermittlungen standen insbesondere Fälle drogengestützter sexueller Übergriffe in Partnerschaften sowie frauenfeindliche Online-Netzwerke. Die gemeinsame Aktion führte zudem zu 274 neuen Ermittlungsansätzen und zur Identifizierung von vier bislang unbekannten frauenfeindlichen Online-Communitys.

Messenger-Dienste, Foren, Chatgruppen

Die Ermittlungen hätten gezeigt, so schreibt es Europol in seinem Bericht, dass Täter verschlüsselte Messenger-Dienste, Foren und geschlossene Chatgruppen nutzen, um Straftaten zu planen, Erfahrungen auszutauschen und den illegalen Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und Betäubungsmitteln zu erleichtern. Die Behörde betont, dass die Erkenntnisse auf organisierte und international vernetzte kriminelle Strukturen hindeuteten. Die Ermittlungen dauerten an.

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Zuletzt hatten weitere Fälle in Europa für Entsetzen gesorgt, die dem Fall Pelicot ähnelten. In mehreren Fällen von Vergewaltigungen unter Einsatz von Betäubungsmitteln nahmen Ermittler Anfang Juni in den Niederlanden vier Verdächtige fest. Bei den Frauen handelte es sich der Polizei zufolge um die Partnerinnen der Männer. Der Missbrauch sei gefilmt und die Aufnahmen seien verbreitet worden, teilte die Polizei in Rotterdam mit.

Mitte Juni verurteilte ein schwedisches Gericht einen 61-Jährigen zu vier Jahren und fünf Monaten Haft. Er habe seine Frau über Jahre „rücksichtslos ausgenutzt“, stellte das Gericht fest. Es sprach den Mann wegen schwerer Zuhälterei, versuchter Vergewaltigung, Körperverletzung, Bedrohung und eines Drogenvergehens schuldig. Er hatte seine Frau mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und dann zum Sex mit fremden Männern gezwungen.

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Korrespondent Philipp Woldin kümmert sich bei WELT vor allem um Themen der inneren Sicherheit sowie Migration und berichtet über das Bundesinnenministerium.

mit dpa

Source – WELT De