„Kniefall vor der US-Regierung“ – Fassungslosigkeit nach Fifa-Entscheidung

Ein Anruf aus dem Weißen Haus stellt die Fußball-WM auf den Kopf: US-Stürmer Balogun darf trotz Roter Karte gegen Belgien spielen. Die Empörung ist dort riesig. Aber auch der DFB reagiert mit deutlichen Worten.

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Das Entsetzen ist groß. Und zwar weltweit. Offenbar war es US-Präsident Donald Trump höchstpersönlich, der bei Gianni Infantino, dem Chef des Fußballweltverbandes Fifa, anrief, um ihn um eine Überprüfung der Roten Karte für US-Nationalspieler Folarin Balogun zu bitten und die fällige Sperre fallen zu lassen. Das berichten AFP und die New York Times.

Insbesondere in Belgien, das in der Nacht zum Dienstag (2.00 Uhr MEZ) im Achtelfinale in Seattle auf die USA trifft, herrschen Fassungslosigkeit und Wut. Balogun war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) vom Platz gestellt worden.

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„Schämt euch!“, wütete die sozialdemokratische Oppositionspartei PS in einer Mitteilung: „Wenn Geld die Fäden zieht, verliert die WM jede Glaubwürdigkeit. Die Regeln anzupassen, um Trump zu gefallen, zu versuchen zu schummeln, um zu gewinnen – welch ein bedauernswertes Bild für die Fifa, die Fußball-WM und die USA. Die Regeln müssen von allen respektiert werden, im Sport wie im Leben.“

Jacqueline Galant, wallonische Sportministerin, schrieb auf X: „Wahre Stärke liegt darin, mit Fairplay zu gewinnen. Genau das wird Belgien tun.“

Belgischer Verband fassungslos

Die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ äußerte großes Unverständnis ob der Entscheidung, dass für den US-amerikanischen Co-Gastgeber eine „Extrawurst“ gebraten werde. Die Zeitung sieht die sportliche Integrität der gesamten Endrunde durch den politischen Druck aus dem Weißen Haus beschädigt. „Le Soir“ wertete die Entscheidung des Weltverbandes als „Kniefall vor der US-Regierung“.

In einer Stellungnahme am Sonntagabend zeigte sich der belgische Verband „fassungslos“. Die Fifa hatte die Entscheidung auf Artikel 27 des Fifa Disciplinary Code gestützt, der es der Fifa-Disziplinarkommission erlaubt, die Anwendung einer zuvor verhängten Disziplinarmaßnahme auszusetzen. Der belgische Verband argumentiert nun jedoch mit Artikel 66.4 desselben Reglements. In diesem ist festgehalten, dass eine Rote Karte automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich zieht.

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„Um die Rechte aller teilnehmenden Länder und den allgemeinen Fairplay-Gedanken unseres Sports zu schützen – sowohl jetzt als auch bei allen künftigen Weltmeisterschaften – prüft der KBVB diese Angelegenheit weiterhin eingehend“, hieß es in der Erklärung.

„Wir verteidigen nicht Belgien, wir verteidigen den Fußball. Das ist das erste Mal in der WM-Geschichte, dass so eine Entscheidung getroffen wird“, sagte Belgiens Trainer Rudi Garcia auf der obligatorischen Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel. Garcia konnte es zunächst nicht glauben. „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz“, sagte der Trainer. Von den US-Fußballern, die die Entscheidung selbstredend begrüßten, war zu vernehmen, dass mancher die Nachricht zunächst für einen von künstlicher Intelligenz erstellten Fake hielt.

Wie der DFB reagiert

Mit einer scharfen Aufforderung an die Fifa hat auch Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), reagiert. „Die Fifa sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll“, hieß es in einer Stellungnahme: „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der Fifa.“

Der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter, ohnehin erklärter Gegner, schrieb auf X: „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert. Wenn ein US-Präsident beim Fifa-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird –, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, Fifa?“ Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden.“

LaGa

Source – WELT De