Deutschland hat immer mehr Beamte – aber geht irgendetwas spürbar schneller?

Über Staatsdiener gibt es ein Bonmot des britischen Historikers Cyril Northcote Parkinson: „Die Zahl der Beamten und der Umfang der Arbeit haben nichts miteinander zu tun“, schrieb er 1955. „Parkinsons Gesetz“ entstammt der Beobachtung, dass zwischen 1914 und 1928 die Zahl von Großkampfschiffen der Royal Navy um rund zwei Drittel sank. Die Zahl der Admiralitätsbeamten aber stieg um fast 80 Prozent. 

Wie ist es in Deutschland? Der Bund zählte 1999 rund 15.000 Ministerialbeamte. Seitdem aber ist deren Zahl um fast 50 Prozent gestiegen. Noch schlimmer treiben es die Kommunen: 2012 arbeiteten bei ihnen im Bereich politische Führung und zentrale Verwaltung 226.000 Menschen. Heute sind es fast drei Viertel mehr. Werden Bauvorhaben jetzt schneller genehmigt? Sind die Gemeinden besser verwaltet? Geht irgendetwas in Deutschland spürbar schneller?

Wenn Bürger das Gefühl haben, dass dieser Staat nicht mehr leistungsfähig ist, dass ihren hohen Steuern keine Leistung entgegensteht, hat es sehr viel mit dieser Bürokratie zu tun. Sie macht jede Investition, jeden Eigenheimbau zu einem Verwaltungsakt, zum unkalkulierbaren Risiko. Dass die Bundesregierung mit ihrem Reformpaket in den nächsten Jahren acht Prozent der Verwaltung kürzen will, ist lächerlich wenig. Acht Prozent? Und ja, auch nur beim Bund. Das ist Mikrochirurgie, wo Rasenmäher und Heckenscheren nötig wären. Mindestens. Wie sagte der frühere Bundespräsident Roman Herzog in seiner berühmten „Ruckrede“? Bill Gates wäre in Deutschland an der Gewerbeaufsicht gescheitert. Und das war im Jahr 1997.

Source – WELT De