„Und das ist auch gut so“ – CDU-Spitzenkandidat bedient sich bei Klaus Wowereit, SPD kontert
Ein SPD-Satz prägt einen CDU-Mann. Spitzenkandidat Stefan Evers nutzt „Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so“ als Bekenntnis. Die Sozialdemokraten reagieren.
An der Bundesgeschäftsstelle der CDU in Berlin-Tiergarten prangt jetzt ein überdimensionales Wahlplakat. Darauf blickt Stefan Evers, CDU-Spitzenkandidat für die Berlin-Wahl am 20. September, auf Passanten und vorbeifahrende Autos. Seine Botschaft: „Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so.“
Evers bedient sich dabei sprachlich bei der Konkurrenz von der SPD. Deren späterer Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte vor 25 Jahren auf einem Parteitag erklärt: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“ Es war damals das erste Mal, dass ein deutscher Spitzenpolitiker offen seine Homosexualität aussprach.
Wowereit reagierte gelassen auf die Übernahme seines berühmten Satzes. „Dass Stefan Evers konservativ ist, das wissen wir“, sagte er dem „Tagesspiegel“. „Ob das auch gut ist, sei dahingestellt.“ Zwar frage er sich, wen Evers mit dem Satz erreichen wolle, stören würde es ihn aber nicht, dass dieser sich bei seiner Formulierung bedient habe, schilderte der SPD-Politiker. „Es gibt darauf kein Copyright.“
Dennoch beruft sich insbesondere Wowereits Partei immer wieder auf den Satz, „der in die Geschichtsbücher eingegangen“ sei. „Berlin ist und bleibt Regenbogenhauptstadt. Sie steht für das Gefühl der Vielfalt, Offenheit und Freiheit. Hier ist jeder willkommen“, schrieb die SPD Berlin anlässlich des 25. Jahrestages des Ausspruchs im Juni auf Instagram.
Die Berliner SPD reagierte auf die Anspielung auf den berühmten Spruch. Spitzenkandidat Steffen Krach postete bei X im Stile eines Wahlplakats: „Berlin ist nicht konservativ. Und das ist auch gut so.“ Abgebildet ist er in dem Post gemeinsam mit Klaus Wowereit.
Lukas Krieger, Bundestagsabgeordneter und neuer Generalsekretär der Berliner CDU, hatte das Plakat am Mittwoch vorgestellt. „Moderner Konservatismus bedeutet für uns: Halt geben, Probleme anpacken und mit Haltung für unsere Hauptstadt einstehen“, erklärte er dazu auf Instagram.
Dieser Satz hat mich geprägt. Er war befreiend.
Gegenüber „Bunte“ hob Evers die Bedeutung Wowereits hervor. „Ich habe ihm nach seinem Amtsende einen Brief geschrieben und mich bei ihm bedankt. Dieser Satz hat mich geprägt. Er war befreiend“, schilderte er. „Ich habe in der Berliner CDU zwar nie Probleme mit Homophobie erlebt. Aber natürlich gab es Kontroversen, beispielsweise um die Ehe für alle. Ich fand immer: Ehe ist ein urkonservativer Wert und sollte allen offenstehen. Niemandem wird dadurch etwas genommen.“
Evers verfasste unter dem Slogan „Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so!“ auch einen Gastbeitrag für die „FAZ“, in dem er sein politisches Weltbild darlegte. „Konservatismus ist kein statisches, kein homogenes Kontinuum. Er ist gerade dann besonders stark, wenn er zeitgemäße Antworten auf heutige und künftige Herausforderungen bietet“, heißt es darin.
„Der moderne, liberale Konservatismus will deshalb nicht Vergangenes um seiner selbst willen bewahren. Er klammert sich weder an überkommene Strukturen noch an Besitzstände. Konservativ zu sein, heißt heute nicht, sich gegen Wandel und Fortschritt zu stellen. Es heißt vielmehr, im Wandel die Kontinuität zu suchen, das Bewahrenswerte zu erkennen und zu schützen“, schreibt Evers.
Zudem folge er keiner Utopie, entwerfe keine Heilslehren und baue sein Weltbild nicht auf Feindbildern auf. „Gerade darin unterscheidet er sich von linken, rechten und religiös-fundamentalistischen Ideologien unserer Zeit.“
Evers sprang als Kandidat ein
Derzeit regiert in Berlin eine Koalition aus CDU und SPD. Finanz- und Kultursenator Evers ist erst seit kurzem Spitzenkandidat der CDU. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) war vor etwa einem Monat als Spitzenkandidat zurückgetreten.
Grund waren Debatten und immer neue Enthüllungen über seine falschen Angaben zum Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls im Januar. In letzten Umfragen lagen CDU, Linke, AfD und Grüne in unterschiedlicher Reihenfolge vergleichsweise eng beieinander. Die SPD rangierte mit deutlichem Rückstand auf Platz fünf.
doli mit dpa
Source – WELT De

