„Können gesellschaftliche Entwicklung nicht ändern“ – Bahn klagt über mehr Angriffe auf Zugbegleiter

Neuen Zahlen zufolge steigt die Zahl der Übergriffe auf Bahn-Mitarbeiter. Künftig soll für mehr Sicherheit gesorgt werden – etwa durch Tonaufnahmen bei Bodycams.

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Die Zahl der Übergriffe auf Zugbegleiter der DB Regio hat im ersten Halbjahr 2026 zugenommen. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die das Bundesverkehrsministerium und die Bahn am Montag veröffentlichten.

Demnach kam es von Januar bis Juni dieses Jahres zu 989 Übergriffen auf Mitarbeitende der DB Regio. In 781 Fällen handelte es sich um einfache Körperverletzung, wozu etwa Schubsen, Greifen und Bespucken zählen. Dazu kommen 22 Fälle schwerer Körperverletzung. In 185 Fällen blieb es bei versuchter Körperverletzung.

Vergleichszahlen für den Vorjahreszeitraum wurden in der Mitteilung nicht genannt. Auf Anfrage von WELT konnte das Bundesverkehrsministerium diese nicht nachreichen.

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„Die Zahlen belegen, was unsere Mitarbeitenden nahezu täglich erleben: Sie werden beschimpft, bespuckt, geschlagen und getreten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der DB Regio, Harmen van Zijderveld. „Das ist umso trauriger, wenn man weiß, mit welcher Leidenschaft sie ihren Beruf ausüben und leben.“

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sagte: „Wir dürfen angesichts dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklung nicht in Schockstarre verfallen, sondern müssen gemeinsam besonnen, aber entschlossen gegensteuern.“ Sicherheit im Zug sei kein Randthema, sondern eine „Grundvoraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr“.

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Um die Sicherheit der Zugbegleiter zu erhöhen, wollen Bahn und Ministerium künftig auch Tonaufzeichnungen beim Einsatz von Bodycams ermöglichen. Dies sei „ein weiterer wichtiger Schritt für mehr Sicherheit“, erklärte van Zijderveld.

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Zunächst werde die Tonaufzeichnung im Regionalverkehr in der Region Rhein-Neckar-Pfalz getestet. Aus dieser spätestens am 1. Oktober beginnenden zweimonatigen Testphase heraus soll dann eine sukzessive bundesweite Umsetzung erfolgen.

„Wir können die gesellschaftliche Entwicklung nicht ändern“, heißt es in der Pressemitteilung, aber man wolle dafür sorgen, „dass unsere Züge Orte der Sicherheit und des Respekts im öffentlichen Raum sind – für Mitarbeitende und Fahrgäste“.

Die Debatte um die Sicherheit von Schaffnern und Zugbegleitern wurde unter anderem größer, seit im Januar der Bahn-Mitarbeiter Serkan Çalar von einem Fahrgast infolge einer Auseinandersetzung getötet wurde. Der Täter war im Juli in erster Instanz zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Seither hat die Bahn verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. So wurde der Einsatz von Bodycams vom Fernverkehr auf den Nahverkehr ausgeweitet. Dafür wurden verpflichtende Schulungen eingeführt. Die Nutzung ist für die Mitarbeiter jedoch freiwillig und darf nur anlassbezogen erfolgen.

Bahnchefin Evelyn Palla hatte bereits im Februar die Nutzung von Tonaufzeichnungen in Aussicht gestellt und damit eine Forderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) aufgegriffen.

Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linke-Abgeordneten Dietmar Bartsch war im Juli hervorgegangen, dass in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 insgesamt 1630 Beschäftigte der Bahn und 4672 Beamte der Bundespolizei zum Ziel von Angriffen geworden waren. 2025 waren nach Angaben der Bahn mehr als 3200 Bahnmitarbeiter Opfer von Angriffen geworden.

lfb

Source – WELT De