Bunte Saisoneröffnung auf St. Pauli

Intendant Ulrich Waller stellte im Rahmen der Eröffnungsgala zur kommenden Saison im St. Pauli Theater ein buntes Kaleidoskop aus Theater, Kabarett und Musik vor. Zum ersten Mal dabei: Die Bühnenmagier vom Maskentheater Familie Flöz.

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Manchmal kommt das Beste nicht zum Schluss, sondern gleich zu Beginn. Chansonnier und Schauspieler Tim Fischer interpretierte zum Auftakt der Eröffnungsgala im St. Pauli Theater das Lied „Säufermond“ von Udo Lindenberg, völlig anders und doch ebenso stark wie die Originalfassung des Panik-Rockers. Fischer berichtete, dass er in der kommenden, finalen Staffel von „Babylon Berlin“ zu sehen sein wird – ab 10. September sind alle acht Folgen in der ARD Mediathek abrufbar – und trug den Titelsong der ersten beiden Staffeln der Serie vor: „Zu Asche, zu Staub“ von Tom Tykwer, Nikko Weidemann, Mario Kamien und Larry Mullins.

Tim Fischer mit Chansons und als Conférencier

Zum Abschluss seines kurzen Auftritts sang der Chansonnier – der in der kommenden Saison erneut als Conférencier im Musical „Cabaret“ im Hansa Theatersaal auftreten wird (19. März bis 4. April 2027) – die Schnorrer-Hymne „Zigarette“ von Thomas Pigor. Fischer sang zur Begleitung von Thomas Dörschel am Flügel und Bernd Oezsevim am Schlagzeug. In dieser Formation wird er auch den Chanson-Abend gestalten, der am 8. und 9. November im St. Pauli Theater stattfindet.

Weitere musikalische Auftritte der Gala gestalteten zur Pause das Folkpop-Duo Fjarill und zum Abschluss des Abends Stefan Gwildis. Fjarill, bestehend aus der schwedischen Pianistin und Sängerin Aino Löwenmark und der südafrikanischen Violinistin Hanmari Spiegel, macht seine Musik noch ziemlich genauso wie vor 20 Jahren und hat sich damit in Hamburg eine Fangemeinde erspielt. Das Duo wird im Dezember 2027 im St. Pauli Theater auftreten und wollte schon mal rechtzeitig darauf hinweisen. Moderator Sebastian23 führte unbeirrbar heiter durch das Programm.

Kabarett nach Wahl in Sachsen-Anhalt im Aufwind

Das Hamburger Original Stefan Gwildis forderte zum Abschluss des Abends das Publikum zum Mitsingen auf. Viele kamen der Aufforderung nach. Deshalb wird der Soul- und Jazzsänger am 1. und 2. Dezember erneut um stimmliche Unterstützung bitten, wenn er gemeinsam mit Tobias Neumann am Klavier und Hagen Kuhr am Cello auf St. Pauli Hamburg-Songs zelebriert. Auch Schauspielerin Anneke Schwabe trug singend zum Gala-Programm bei, wurde zur Seeräuberjenny aus der „Dreigroschenoper“ von Brecht/Weill.

Stärker als zuletzt gerieten die Auftritte der Kabarettisten Arnulf Rating im ersten und Matthias Deutschmann im zweiten Teil des Gala-Abends. Beide nutzten die Steilvorlagen des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt und die anhaltende Schwäche der schwarz-roten Bundesregierung. Während Rating mit Blick auf Philipp Amthor, Staatsminister für Bund-Länder-Beziehungen im Bundeskanzleramt, auf den Fachkräftemangel in der deutschen Politik hinwies, wurde Deutschmann grundsätzlich. Er habe bereits beim Mauerfall darauf hingewiesen, dass es sich um eine tragende Wand gehandelt habe, so der passionierte Schachspieler aus Freiburg. Beide Kabarettisten werden in der kommenden Saison Soloabende im St. Pauli Theater geben.

Neues Stück von Moritz Rinke zur Rolle der KI

Im ersten Teil des Abends las das Schauspieler-Ehepaar Johanna Christine Gehlen und Sebastian Bezzel eine amüsante Erzählung über ein betagtes Paar, das wegen angeblicher Sittlichkeitsvergehen im Wald verhaftet und ins Rathaus gebracht wird, wo es vom Bürgermeister peinlich genau befragt wird. Dabei stellt sich heraus, dass es sich um ein Ehepaar handelt… Beide Schauspieler werden in der kommenden Saison wieder auf der Bühne des St. Pauli Theaters stehen. Bezzel von Anfang Januar an der Seite von Stephan Großmann in „1H22 vor dem Ende“ und im Februar 2027 an der Seite von Götz Otto in „Geheimnisse“ von Sébastien Blanc. Gehlen wird im März 2027 erneut in „Nebenan“ spielen, dem Theaterkrimi von Daniel Kehlmann.

Auch Schauspieler Herbert Knaup steht, wenn er nicht gerade für Film oder Fernsehen dreht, gern wieder auf der Bühne des St. Pauli Theaters. Vom 19. November an kehrt er in der Hamburger Erstaufführung des Stückes „Sophia oder das Ende der Humanisten“ von Moritz Rinke als Professor Wolfgang Bergmann auf die Bühne zurück, der sich, von seiner Frau verlassen, eine Androidin (Judith Rosmair) anschafft. Diese kümmert sich um ihn, wie es ihm gefällt. Seine Tochter Helena (Sinja Dieks) und ihr Freund, der Informatiker Jonas (Holger Dexne), sind entsetzt: Ist der Alte noch zu retten? Rinkes Stück untersucht die Rolle der KI in der Gesellschaft, gegen die Widerstand zunehmend zwecklos erscheint. Regie führt Ulrich Waller.

Maskentheater „Wunder“ mit Familie Flöz

Mit Spannung erwartet werden darf ein neues Maskentheaterstück der Familie Flöz, das sich unter dem Titel „Wunder“ im Oktober mit Themen rund um den Mythos Reeperbahn und ihren Realitäten befasst. Das berührende Theater kommt ganz ohne Worte aus, fünf Spieler und zwei Musiker erwecken knapp 30 Figuren zu faszinierendem Bühnenleben, wie ein Ausschnitt bei der Gala zeigte. Das Stück ist von Cesare Zavattinis Erzählung „Das Wunder von Bamba“ inspiriert – wie der legendäre Film „Das Wunder von Mailand“ von Vittorio De Sica.

Source – WELT De