Die „Schande“ von Venedig – Proteste gegen Mega-Jacht von US-Botschafter
Polizisten auf Schnellbooten und Jetskis sicherten die „Boardwalk“ beim Anlegen in Venedig, an Land mussten dann Dutzende Polizisten die Superjacht vor Protestlern abschirmen. An Bord: US-Botschafter Tilman Fertitta.
Der US-Botschafter in Italien hat mit seiner Ankunft in Venedig an Bord seiner Luxusjacht teils wütende Proteste hervorgerufen. Hunderte Demonstranten versammelten sich am Freitag in der Nähe des 117 Meter langen Schiffs und trugen aufblasbares Pool-Spielzeug – die Jacht des US-Milliardärs Tilman Fertitta verfügt über zwei Pools. Polizisten in Schutzausrüstung blockierten den Protestteilnehmenden den Zugang zur Jacht „Boardwalk“.
Mindestens drei Polizeiboote waren um das riesige Schiff herum im Einsatz, eskortiert wurde das Schiff beim Anlegen im Stadtteil Castello zudem von Polizisten auf Schnellbooten und Jetskis. Es kam zu kurzen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten, die zur wenige Hundert Meter entfernten Jacht marschieren wollten. Nach der Auseinandersetzung riefen Teilnehmende des Protests „Schande“ an die Adresse des Botschafters, der Stadtregierung und der Polizei.
Venedig war eine der Stationen einer Reise Fertittas entlang der italienischen Küste, die der Botschafter anlässlich des 250. Jahrestags der US-Unabhängigkeitserklärung organisiert hatte. Abgeordnete der Opposition haben die Kosten der Reise für die italienischen Steuerzahler kritisiert. Sie verwiesen unter anderem darauf, dass bei jeder Station der Einsatz von Marine, Küstenwache und Polizei zur Gewährleistung der Sicherheit erforderlich sei.
Aktivistinnen und Aktivisten werfen Fertitta zudem eine unangebrachte Demonstration von amerikanischem Luxus und Einfluss vor. Die „Boardwalk“ verfügt neben den Pools über zwei Hubschrauberlandeplätze und einen Spa- und Fitnessbereich.
Vermögen des Botschafters wird auf 11,3 Milliarden Dollar geschätzt
Viele der Gruppen, die im vergangenen Jahr gegen die örtliche Hochzeit von Amazon-Unternehmer Jeff Bezos und Lauren Sánchez protestiert hatten, lehnten jetzt das Eintreffen von Fertittas Jacht ab.
Bereits am Unabhängigkeitstag der USA, am 4. Juli, hatten Organisatoren ein Protestbanner entrollt, das so lang wie Fertittas Jacht war. Damit wollten sie „die Ausmaße seiner Arroganz“ zeigen, hieß es. „Es ist arrogant, zu glauben, er könne tun, was er wolle in einer Stadt“, in der Tourismus eine immer größere Rolle spiele, sagte Protestorganisatorin Stella Morion der Nachrichtenagentur AP.
Die Demonstranten lehnten auch die internationale Politik von US-Präsident Donald Trump ab, sagte sie. Dazu gehörten die Angriffe auf den Iran, die zu einem Anstieg der Energiepreise geführt hätten.
Fertitta ist Besitzer des Unternehmens Fertitta Entertainment. Sein Vermögen machte er im Gastgewerbe. Ihm gehört auch die Basketballmannschaft Houston Rockets. Seiner offiziellen Biografie zufolge hat Fertitta ein Reinvermögen von 11,3 Milliarden Dollar. Das Magazin „Forbes“ rechnet ihn zu den 100 wohlhabendsten Amerikanerinnen und Amerikanern.
AP/AFP/krott
Source – WELT De

