Leichenpräperate: »Körperwelten«-Gründer Gunther von Hagens gestorben
Der »Körperwelten«-Gründer Gunther von Hagens ist tot. Er starb im Alter von 81 Jahren, wie die Nachrichtenagentur dpa aus seinem Umfeld erfuhr. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Er war bereits mehrere Jahre an Parkinson erkrankt.
»Es war Gunther von Hagens’ eigener Wunsch, auch seinen Körper nach dem Tod der Plastination zur Verfügung zu stellen«, heißt es in einer Mitteilung. »Seine Angehörigen werden diesen Wunsch respektieren und ausführen.«
Mit Plastination ist eine eigens von Gunther von Hagens in den Siebzigerjahren entwickelte Konservierungstechnik für Leichen gemeint, die die Ausstellung der Körper über einen längeren Zeitraum möglich macht. Millionen Menschen haben sich weltweit seine umstrittenen »Körperwelten«-Wanderausstellung angesehen, in der die Anatomie toter menschlicher und tierischer Körper gezeigt wird.
Die Leichen stammen von Personen, die zu Lebzeiten verfügten, dass ihr Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stehen soll. Es werden sowohl einzelne Körperteile ausgestellt als auch ganze Körper. Diese werden in Alltagssituationen inszeniert, etwa beim Federballspielen, beim Pokern und beim Sex.
»Den eigenen Körper mit anderen Augen zu sehen«
Unter anderem wegen dieser provokanten Darstellungen wurde von Hagens immer wieder kritisiert. Kritiker sehen in der Ausstellung die Menschenwürde verletzt. Etwa versuchte der Bezirk Mitte die Eröffnung des dauerhaften Berliner Museums Körperwelten am Alexanderplatz rechtlich zu verhindern. Der Bezirk argumentierte, dass die ausgestellten Körper auch nach dem Konservierungsverfahren Leichen seien und deshalb bestattet werden müssten.
Von Hagens Ehefrau Angelina Whalley sagte, es sei ihm nie um Sensationslust gegangen, sondern um Wissenschaft, Aufklärung und Humanismus. »Er hat Millionen Menschen dazu gebracht, den eigenen Körper mit anderen Augen zu sehen.«
Fluchtversuch aus der DDR
Von Hagens wurde 1945 bei Poznań im heutigen Polen als Gunther Liebchen geboren. Später nahm er den Namen seiner ersten Ehefrau an. Er begann 1965 in Jena Medizin zu studieren, kam nach einem Fluchtversuch aus der DDR in politische Gefangenschaft und wurde von der Bundesrepublik freigekauft. An der Universität Heidelberg promovierte er.
Seit den Siebzigerjahren widmete er sich der Plastination und gründete dafür in den Neunzigerjahren ein privates Unternehmen. Nach seiner Erkrankung hatten zuletzt seine Partnerin und sein Sohn seine Arbeit fortgeführt.
Source – ZEIT News

