„Wir sind zerrissen“ – Habeck sieht Deutschland „voll im Fadenkreuz von Autokraten“

Deutschlands Ex-Vizekanzler warnt, dass Deutschland aufgrund seiner Geschichte ein leichtes Ziel für Desinformationskampagnen aus Russland und durch amerikanische Tech-Konzerne ist. Ziel sei die Zerstörung Europas. Am einfachsten gehe das, wenn Deutschland nur noch an sich denkt.

Audioplayer wird geladen

Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.

Ex-Vizekanzler Robert Habeck sieht Deutschland mit seiner „zerrissenen Geschichte“ im Fadenkreuz von Autokraten. „Also schon in meiner Zeit haben mir die Geheimdienste aus dem Ausland gesagt, Deutschland gilt als Easy Target, als Low-Hanging-Fruit“, sagte Habeck bei der Vorstellung seines neuen Buches „Arctic Meltdown: Die Neuvermessung der Welt“ in Köln.

Russland probiere überall, Wahlen zu manipulieren, Desinformationskampagnen zu machen und auf eine andere Art – „natürlich jetzt über die Algorithmen“ – machten die amerikanischen Softwarekonzerne ja auch ihren Anteil.

„Also damit meine ich jetzt nicht zwingend, dass sie Wahlen manipulieren, aber indirekt ja doch, weil diese Bubble-Bildung, die wir von Meta bei Instagram und von X bei Twitter ehemals kennen, natürlich dazu führt, dass Leute irgendwie glauben, die Welt besteht nur aus AfD, Grünen, was auch immer Leuten.“ Das sei natürlich nicht der Gedanke, der eine Demokratie stärken könne.

„Also alle ziehen an uns rum“, sagte er im Gespräch mit Moderator Louis Klamroth beim Literaturfestival „Lit.Cologne spezial“. Deutschland habe anders als andere Länder in Europa eine zerrissene Geschichte, habe zwei Weltkriege begonnen. Viele Menschen seien heimatlos geworden, hätten alles verloren.

Die Wiedervereinigung sei auch die Geschichte von 40 Jahren, in denen „ein Drittel des Landes unter einem Regierungssystem gelebt hat, das völlig anders war, andere Kulturnormen aufgebaut hat“, erläuterte Habeck.

Lesen Sie auch

„Wir sind zerrissen.“ Das wüssten die anderen auch. „Also Deutschland ist voll im Fadenkreuz, denn das darf man doch sagen, wenn es das Ziel dieser Autokraten ist, diese Idee von Frieden und Machtbegrenzung und Freiheit zu zerstören und sie Europa dafür zerstören müssen.“

Am einfachsten gehe es, wenn Deutschland für Europa nicht mehr arbeite. Wenn sich Deutschland nur noch um sich selber kümmere, ein nationalistischer Staat werde, ein Europa der Vaterländer versuche herbeizuführen, fehle die zentrale Mittelkraft in Europa.

dpa/saha

Source – WELT De