„Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich zu jedem Zeitpunkt die beste Führungskraft war“
Rücksichtslosen Kündigungen, Stress und ausufernden Arbeitszeiten – Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter brachten den Gründer des nachhaltigen Modelabels Armedangels in Erklärungsnot. In einem Interview mit der „Zeit“ äußert sich Martin Höfeler erstmals zu den Anschuldigungen.
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Armedangels aus Köln war 2007 eines der ersten deutschen Modelabels, die auf Nachhaltigkeit setzten. Das Ziel: Die Welt mit Mode ein Stück besser machen.
Doch die perfekte Fassade bekam Risse: Im Mai berichtete der „Spiegel“ über Vorwürfe früherer Mitarbeiter. Von rücksichtslosen Kündigungen, Stress und ausufernden Arbeitszeiten war die Rede. Im Fokus der Kritik stand vor allem Gründer und Firmenchef Martin Höfeler. In einem Interview mit der „Zeit“ sprach der 44-Jährige erstmals über die Vorwürfe.
Auf die Frage, was in ihm vorgegangen ist, als er den Artikel mit dem Titel „Die toxische Geschichte hinter der nachhaltigen Jeans“ zum ersten Mal gelesen hat, antwortete Höfeler: „Das war ein Schock. Ich habe gedacht: Wow, das ist sehr fokussiert auf meine Person.“ Er habe große Sorge gehabt, dass die DNA von Armedangels infrage gestellt werden könnte. Denn wer den Titel liest, könnte denken, dass Höfelers Jeans gar nicht das sei, was sie verspricht. „Das finde ich ziemlich dramatisch, denn wir stecken in unsere Produkte sehr viel Zeit und Kraft.“
Anschließend habe er sich auch mit der Kritik an seiner Person auseinandergesetzt und viele Gespräche geführt. Mitarbeiter seien in dieser Zeit von ihren Eltern angerufen und gefragt worden: „Was ist da bei euch los? Geht’s euch gut?“ Auch habe Höfeler bei ehemaligen Mitarbeitern nachgefragt, wie sie das Arbeitsklima damals wahrgenommen hätten und was er ändern muss.
Eine Angestellte, die für das Design der neuen Jeanskollektion Detox Denim verantwortlich war, hatte berichtet, dass sie unter einer so hohen Arbeitsbelastung und enormem Leistungsdruck gelitten habe, dass sie in einem Arbeitsmeeting, in dem auch Höfeler gewesen war, in Tränen ausgebrochen sei. Der 44-Jährige bestätigt, dass er in dem Meeting gewesen ist und damals Dinge hinterfragt habe. „Das war meine Aufgabe damals als Produktverantwortlicher. Wir müssen das beste Produkt liefern, und da gibt es manchmal auch kritisches Feedback. Damit müssen wir alle umgehen können.“
Er könne aber garantieren, dass er jederzeit einschreiten und sich kümmern würde, wenn eine Person in einem Meeting weinen würde. Und: „Es kann gut sein, dass die Person nach dem Meeting geweint hat, aber ich war nicht dabei.“
Nachdem besagte Mitarbeiterin gekündigt hat, habe er noch einmal das Gespräch gesucht. „Sie ist mit einem schlechten Gefühl gegangen und hat aus meiner Sicht nicht die ausreichende Wertschätzung bekommen, die ihr zusteht“, sagte Höfeler. „Ich fand das nicht richtig und wollte ihr das persönlich auch sagen, aber das wollte sie dann nicht mehr.“
Nicht alle Einzelheiten bei der Kündigung gekannt
Eine andere Mitarbeiterin soll gekündigt worden sein, als sie an Krebs erkrankt war. Höfeler erklärt: „Niemals wurde bei Armedangels jemand aufgrund von Krankheit gekündigt. Als die Kündigung ausgesprochen wurde, sind uns nicht alle Einzelheiten bekannt gewesen.“ Das sei aber keine Entschuldigung. „Das ist falsch gelaufen und darf nicht wieder passieren.“
Im Gespräch mit der „Zeit“ gibt sich der Firmenchef selbstkritisch. „Ich bin gut darin, Leute zu motivieren. Aber ich kann nicht von mir behaupten, dass ich zu jedem Zeitpunkt die beste Führungskraft war.“ So habe er häufig nicht gemerkt, wenn Leute am Limit waren. „Ich bin auch nicht besonders gut im Organisieren und Strukturieren“, räumte er ein. Er sei aber überzeugt, dass sich diese Defizite ausgleichen lassen, indem er sich Menschen ins Unternehmen hole, die ihn in diesen Bereichen unterstützen. „Mir ist bewusst, dass ich mich auch weiterentwickeln muss.“ Deshalb arbeite er bereits seit einer Weile mit einem Coach.
Auf die Frage der „Zeit“, ob es glaubhaft ist, für Nachhaltigkeit zu stehen, aber viel Geld für Marketing ausgeben, wie aktuell für eine Kampagne mit dem Topmodel Cara Delevingne, antwortete Höfeler: „Wachstum ist für uns kein Selbstzweck. Aber wenn man wirklich eine Veränderung erzielen will, muss man möglichst viele Menschen überzeugen. Man muss die Alternative in den Markt bringen.“
saha
Source – WELT De

