Fast 500 Polizeieinsätze an Harburger Drogenhilfezentrum in weniger als drei Jahren

Eine Senatsantwort auf eine AfD-Anfrage dokumentiert Hunderte Einsätze von Polizei und Rettungsdienst am Abrigado in Harburg. Gleichzeitig verweist die Stadt auf Reinigungsmaßnahmen, Platzverweise und laufende Maßnahmen im Umfeld der Einrichtung.

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Der Hamburger Senat hat neue Zahlen zur Situation rund um die Drogenhilfeeinrichtung Abrigado in Harburg veröffentlicht. Aus einer Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der AfD-Bürgerschaftsfraktion geht hervor, dass am Standort in der Schwarzenbergstraße seit Anfang 2023 insgesamt 487 Polizeieinsätze registriert wurden. Im Jahr 2023 wurden dort 196 Einsätze dokumentiert, 2024 waren es 128, 2025 insgesamt 99 und bis zum 29. Juni 2026 weitere 64. Die AfD-Fraktion verweist auf diese Zahlen und sieht darin eine erhebliche Belastung für das Umfeld der Einrichtung.

Das Abrigado ist nach Angaben des Senats der einzige Drogenkonsumraum südlich der Elbe. Neben Beratungs- und Hilfsangeboten verfügt die Einrichtung auch über einen sogenannten Expresskonsumraum für Crack. Weitere niedrigschwellige Einrichtungen mit integrierten Drogenkonsumräumen befinden sich am Besenbinderhof in St. Georg (Drob Inn), in der Virchowstraße in Altona (Stay Alive) sowie in der Brennerstraße (Ragazza).

Zusätzlich zu den Polizeieinsätzen wurden am Abrigado seit Anfang 2023 insgesamt 110 Rettungsdiensteinsätze registriert. Die Zahl lag bei 37 Einsätzen im Jahr 2023, 22 im Jahr 2024, 33 im Jahr 2025 und 18 Einsätzen bis zum 21. Mai 2026. Die AfD hebt in ihrer Reaktion hervor, dass sich die Zahl der Polizei- und Rettungsdiensteinsätze am Standort auf knapp 600 summiere.

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Aus einer Anlage zur Senatsantwort geht hervor, dass die Polizei am Standort unter anderem wegen Personenüberprüfungen, Hausfriedensbrüchen, Körperverletzungen, Schlägereien, Betäubungsmitteldelikten, Bedrohungen sowie Bedrohungen mit Waffen ausrücken musste. Ebenfalls dokumentiert wurden Ermittlungen, Fahndungseinsätze und Einsätze wegen Streitigkeiten. Zu den häufigsten Einsatzanlässen zählen Personenüberprüfungen, Hausfriedensbrüche, Auftragsfahrten und Schlägereien.

Der Senat verweist zugleich darauf, dass die unmittelbare Umgebung des Abrigado statistisch nur eingeschränkt ausgewertet werden könne. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasse Straftaten grundsätzlich nicht auf Straßen- oder Hausebene, sondern nach Ortsteilen. Das Abrigado befindet sich im Ortsteil 701. Dort sei die Gesamtkriminalität im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Auch bei den Rauschgiftdelikten seien rückläufige Zahlen festgestellt worden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die Situation im öffentlichen Raum. Nach Angaben des Senats werden im Rahmen eines Parkreinigungsprojekts monatlich etwa 70 bis 100 Spritzen oder spritzenähnliche Utensilien im Umfeld der Einrichtung eingesammelt. Die Funde konzentrieren sich demnach vor allem auf den Bereich rund um das Abrigado, den Weg zur Schule am Park, die Moses-Mendelssohn-Brücke sowie angrenzende Treppenanlagen. Die AfD verweist in diesem Zusammenhang auf die Nähe der Einrichtung zu den benachbarten Schulen und fordert sichere und saubere Schulwege.

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Die Stadtreinigung Hamburg führt im Umfeld der Einrichtung täglich Reinigungsmaßnahmen durch. Zusätzlich finden nachmittags Kontrollgänge statt. Nach Angaben des Senats wurden die Reinigungszeiten zudem auf den Zeitraum vor Beginn der Frühbetreuung an der benachbarten Schule verlegt. Eine gesonderte statistische Erfassung der eingesammelten Spritzen und Kanülen erfolgt allerdings nicht.

Seit Anfang 2023 sprach die Polizei im Zusammenhang mit der Bekämpfung der öffentlich wahrnehmbaren Betäubungsmittelkriminalität am Abrigado insgesamt 382 Platzverweise aus. Aufenthaltsverbote wurden laut Senat nicht verhängt. Zudem seien keine Waffen nach dem Waffengesetz sichergestellt worden.

Zwei Tatverdächtige vorläufig festgenommen

Zu den jüngsten Schusswaffenvorfällen im Umfeld des Schwarzenbergparks verweist der Senat auf bereits veröffentlichte Drucksachen und Ermittlungen der Polizei. Nach Durchsuchungen Anfang Juli wurden zwei tatverdächtige Männer vorläufig festgenommen. Gegen einen der Verdächtigen wurde Haftbefehl erlassen.

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Die Veröffentlichung der Zahlen fällt in eine Phase, in der Hamburg seinen Kurs gegenüber Drogenszenen in der Stadt angepasst hat. Für den Bereich Hauptbahnhof und St. Georg hat der Senat zuletzt zusätzliche Maßnahmen angekündigt. Dazu gehören eine Ausweitung der Alkoholkonsumverbotszone, ein verstärkter Einsatz gegen Straftäter und Ordnungsstörer sowie weitere Hilfsangebote für suchtkranke und obdachlose Menschen. Nach Darstellung des Senats sollen Sicherheitsmaßnahmen und soziale Hilfen künftig stärker miteinander verzahnt werden.

Für Harburg verweist der Senat auf bereits laufende Maßnahmen wie Umfeldmanagement, zusätzliche Reinigungen, Platzverweise, Grünpflegearbeiten, Deeskalationsangebote sowie regelmäßige Abstimmungen zwischen den beteiligten Behörden. Zudem wurde für Anfang Juli eine Informationsveranstaltung für Eltern der benachbarten Schulen angekündigt. Ziel sei es, über die aktuelle Situation und geplante Maßnahmen zu informieren. Die AfD fordert darüber hinaus eine Überprüfung der Standorte von Drogenhilfeeinrichtungen sowie eine stärkere Entlastung betroffener Quartiere.

dfe

Source – WELT De