Massaker von Reçak: Fünf Serben im Kosovo wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen festgenommen
Im Kosovo sind mehr als 25 Jahre nach dem Ende des Krieges fünf Serben wegen möglicher Kriegsverbrechen festgenommen worden. Die Männer werden verdächtigt, an der Ermordung von mehr als 40 ethnischen Albanern durch serbische Truppen im Dorf Reçak beteiligt gewesen zu sein, wie Staatsanwalt Ilir Morina mitteilte. Sie seien als Mitglieder damaliger Spezialeinheiten der serbischen Polizei identifiziert worden.
Beim Massaker von Reçak waren im Januar 1999 laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft 42 albanische Zivilisten getötet worden. Dabei umstellten serbische Truppen das Dorf und beschossen es, bevor gepanzerte Fahrzeuge in den Ort eindrangen und Soldaten die Häuser nach den Bewohnenden durchsuchten.
Die Staatsanwaltschaft des Kosovo hat bereits 21 Serben wegen Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit dem Ereignis angeklagt, darunter den früheren serbischen Polizeichef Obrad Stevanović und Geheimdienstchef Radomir Marković. Ihnen wurde unter anderem Mord, Folter und Verschleppung vorgeworfen. Die Angeklagten befinden sich jedoch außer Reichweite der kosovarischen Justiz; die Staatsanwaltschaft hat einen Prozess in Abwesenheit beantragt.
Wendepunkt im Krieg
Das serbische Büro für den Kosovo verurteilte die Festnahme der fünf Verdächtigen als Teil einer »systematischen politischen und institutionellen Gewalt Prištinas«. »Angebliche Kriegsverbrechen« würden genutzt, um eine »chauvinistische und anti-serbische Politik« zu verschleiern. Serbien besteht bis heute darauf, dass es sich bei den in Reçak getöteten Menschen um militärische Kämpfer gehandelt haben soll – obwohl die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Opfer des Massakers als Zivilisten identifizierte.
Insgesamt starben während des Krieges im Kosovo rund 13.000 Menschen. Das Massaker von Reçak gehört zu den schwersten Kriegsverbrechen gegen Zivilisten und markiert einen Wendepunkt in dem zweijährigen Krieg. Die Nato und UN griffen in dem Konflikt ein, serbische Truppen zogen sich kurz darauf aus dem Kosovo zurück. Dieser erklärte 2008 seine Unabhängigkeit, was Serbien bis heute nicht anerkennt.
Source – ZEIT News

