Null Punkte, null Tore – der seltsame Zeitpunkt der Vertragsverlängerung mit Trainer Polzin
Der HSV steht am Tabellenende, durchlebt eine große Krise und hat in drei Ligaspielen noch nicht einmal ein Tor erzielt. Trotzdem verlängert der Verein den Vertrag mit Trainer Merlin Polzin.
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Der Hamburger SV hat einen Fehlstart in die Saison der Fußball-Bundesliga hingelegt. Dennoch verlängert der Tabellenletzte den Vertrag mit Trainer Merlin Polzin. Das Überraschende angesichts der aktuellen Situation ist, dass es keine Überraschung ist.
Wie der HSV einen Tag vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln am Samstag (15.30 Uhr/Sky, RTL und im WELT-Liveticker) mitteilte, wurde wie erwartet der 35-Jährige „langfristig“ an sich gebunden. Auch Polzins Partner Loic Favé (33) sowie Co-Trainer Richard Krohn (31) und der für die Analyse zuständige Max Bergmann (28) erhielten neue Verträge. Über die Länge der Kontrakte machte der HSV keine Angaben. Laut Medienberichten gelten die neuen Arbeitspapiere bis Juni 2029.
„Wir werden gemeinsam in die Zukunft gehen, wissen parallel auch um die aktuelle sportliche Situation“, sagte die seit dem 1. Juli amtierende Sportvorständin Kathleen Krüger in der Mitteilung. Vertrauen bedeute nicht, dass Ergebnisse zweitrangig werden, sondern basiere auf kritischer Auseinandersetzung. „Umso bewusster und aus voller Überzeugung verlängern wir die Verträge von Merlin, Loic, Richi und Max. Sie überzeugen mit ihrer Expertise, ihrer Akribie, ihrem Fleiß und ihrer tagtäglichen Leidenschaft.“
„Große Verantwortung“
Trotz der sportlich größten Krise seit der Bundesliga-Rückkehr mit null Punkten und 0:12 Toren, darunter zwei 0:5-Niederlagen gegen den FSV Mainz 05 und bei RB Leipzig, war die Verlängerung des zum Saisonende auslaufenden Vertrags von Polzin schon länger erwartet worden. Sowohl er als auch Krüger hatten zuletzt stets betont, die Zusammenarbeit fortzusetzen.
„Unser gemeinsames Commitment ist ein Zeichen des Vertrauens. Gleichzeitig interpretiere ich es als große Verantwortung und als unseren Auftrag, den Verein besser zu machen“, sagte Polzin laut Mitteilung. „Jeder weiß, wie viel mir diese Stadt, dieser Klub und dieses Stadion bedeuten.“
Umso mehr freue es ihn, sein gesamtes Trainer-Team und den Staff weiter an seiner Seite zu haben, „und von der Geschäftsstelle, den Fans und vielen weiteren Menschen rund um den HSV eine brutale Unterstützung zu erfahren“.
Polzin seit Ende 2024 HSV-Cheftrainer
Polzin genießt im Verein und bei den Fans ein hohes Ansehen. Der gebürtige Hamburger hat eine lange HSV‑Vergangenheit. Als Jugendlicher stand er in der Fan-Kurve im Volksparkstadion. Von 2011 bis 2013 arbeitete er als Trainer im Jugendbereich des Klubs. 2020 kehrte er mit Cheftrainer Daniel Thioune vom VfL Osnabrück zum HSV zurück und arbeitete als Co-Trainer unter Thioune, Tim Walter und Steffen Baumgart.
Ende 2024 war er nach der Trennung von Baumgart erst zum Interims- und dann zum Cheftrainer aufgestiegen. Im Mai 2025 führte Polzin den HSV zurück in die Bundesliga und hielt mit der Mannschaft in der vergangenen Saison souverän die Klasse. Ähnlich wie in der Vorsaison misslang dem HSV in dieser Spielzeit der Auftakt mit einer erneut neu formierten Mannschaft.
jb/dpa
Source – WELT De

