Mutmaßlicher Brandanschlag legt Bahnstrecke von Hamburg nach Cuxhaven lahm
Ein brennender Verteilerkasten bei Neu Wulmstorf hat in der Nacht den Bahnverkehr zwischen Hamburg und Stade zum Erliegen gebracht. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Tausende Pendler und Reisende sind betroffen.
Nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf die Bahninfrastruktur im Landkreis Harburg ist der Zugverkehr auf einer der wichtigsten Pendlerstrecken im Hamburger Umland am Dienstagmorgen massiv beeinträchtigt worden. Betroffen sind sowohl die S-Bahn-Linie S5 als auch der Regionalverkehr Richtung Stade und Cuxhaven. Die Polizei ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung.
Nach Angaben der Polizei hatte ein Zeuge gegen 1.15 Uhr Feuerschein an einem Technikgebäude am Bahnübergang Elstorfer Heuweg in Neu Wulmstorf bemerkt. Als Feuerwehr und Polizei eintrafen, war das Feuer bereits weitgehend erloschen. Rund 50 Meter entfernt brannte jedoch ein Verteilerkasten. Dabei wurden Signalleitungen beschädigt, die für den sicheren Zugbetrieb erforderlich sind. Die Feuerwehr löschte den Brand, Bundes- und Landespolizei sicherten anschließend Spuren am Tatort. Der Zentrale Kriminaldienst übernahm die Ermittlungen. Die Beamten gehen derzeit von vorsätzlicher Brandlegung aus.
Die Folgen für den Bahnverkehr sind erheblich. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind Zugfahrten zwischen Hamburg-Neugraben und Stade derzeit nicht möglich. Betroffen ist insbesondere die S5, die normalerweise Hamburg mit dem Alten Land und dem Landkreis Stade verbindet. Auch der Regionalexpress RE5 zwischen Hamburg und Cuxhaven kann nicht verkehren. Die Bahn spricht von dringenden Instandsetzungsarbeiten nach einem Feuerwehreinsatz und konnte zunächst keine Prognose abgeben, wann die Strecke wieder freigegeben wird.
Für Fahrgäste wurde ein umfangreicher Schienenersatzverkehr eingerichtet. Busse verkehren zwischen Neugraben und Stade über Buxtehude. Zusätzlich wurden auch zwischen Stade und Cuxhaven Ersatzverbindungen organisiert. Reisende müssen mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen und werden aufgefordert, sich vor Fahrtantritt über die aktuelle Betriebslage zu informieren.
Serie von Angriffen und Sabotageakten
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Angriffen und Sabotageakten auf die deutsche Bahninfrastruktur ein. Erst im Sommer 2024 hatten Brandanschläge auf Kabelanlagen der Deutschen Bahn in Bremen, Hamburg und Berlin für massive Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr gesorgt. Der Staatsschutz untersuchte damals auch ein linksextremistisch motiviertes Bekennerschreiben, das sich auf mehrere Brandangriffe gegen Bahnanlagen bezog. Die Täter hatten gezielt Kabelschächte beschädigt, wodurch wichtige Signal- und Kommunikationsverbindungen ausfielen.
Bereits im September 2023 war die wichtige ICE-Strecke zwischen Hamburg und Berlin nach mehreren Kabelbränden stundenlang unterbrochen worden. Die Ermittler gingen seinerzeit von einem politischen Motiv aus. Ein auf der Plattform Indymedia veröffentlichtes Bekennerschreiben wurde damals in die Ermittlungen einbezogen. Tausende Reisende waren von Zugausfällen und Verspätungen betroffen.
Sicherheitsexperten weisen seit Jahren darauf hin, dass die Bahninfrastruktur ein vergleichsweise leicht angreifbares Ziel ist. Weit verzweigte Kabel- und Signalanlagen verlaufen häufig ungeschützt entlang der Strecken. Schon vergleichsweise kleine Brände an neuralgischen Punkten können große Teile des Zugverkehrs zum Stillstand bringen. Entsprechend sensibel reagieren die Behörden inzwischen auf jede Form mutmaßlicher Sabotage.
dfe, dpa
Source – WELT De

